Josefine Rieks – Serverland

Dienstag, 5. Juni
Beginn: 20.00 Uhr

Bukafski Buchhandlung, Kurfürstenstr. 9
Eintritt: 7,- / 5,- Euro (erm.)

(c) Tim Bruening

Was für eine Vorstellung! In einer nicht allzu fernen Zukunft leben die Menschen ohne Internet, YouTube-Videos und Facebook-Posts sind nur noch ferne Erinnerungen, die auf abgeschalteten Servern im Niemandsland lagern. Genau das ist die Ausgangsposition von „Serverland“, dem furiosen Debütroman von Josefine Rieks. Darin machen sich ein junger Nerd und sein Kumpel auf, diese Schätze in einem vergessenen Google-Serverpark in den Niederlanden zu heben. Sie treffen auf eine Gruppe junger Leute, die sich dort bereits eingenistet haben und heimlich von der Revolution träumen. Und tatsächlich scheint diese Revolution zum Greifen nahe, als es gelingt, die Server anzuzapfen …

„‘Serverland‘ ist ein Roman von klugem Understatement, kühl unterspielt und prägnant erdacht.“ Meike Fessmann, Süddeutsche Zeitung

Josefine Rieks wurde 1988 in Höxter geboren, studierte Philosophie und lebt in Berlin. Sie schrieb das Drehbuch zum No-Budget-Film „U3000 – Tod einer Indieband“. 2017 erhielt sie das Alfred-Döblin-Stipendium. 2018 erschien ihr erster Roman „Serverland“.

Guillaume Paoli – Die lange Nacht der Metamorphose

Mittwoch, 23. Mai
Beginn: 19.30 Uhr

Glashaus, Staatstheater Mainz
Eintritt: 9,50 Euro / 4,75 Euro erm.

Die zeitgenössische Literatur sei zu einem faden Autobiographimus verkommen, zu einer „Selffiction“. Die Popmusik versinke im Retrowahn, Innovationen seien höchstens schlechte Updates, Kreativwirtschaft bestenfalls eine Behauptung und die postmoderne Theorie habe die Wahrheit abgeschafft. Die Zeitdiagnose von Guillaume Paoli im Essay „Die lange Nacht der Metamorphose“ ist alles andere als gemütlich. Und nach seiner Lesart ist es insbesondere die Kultur, die in einer Mischung aus Verflachung und Phraseologie an ihrer eigenen Gentrifizierung arbeite und so ihre vormalige Rolle als gesellschaftliches Korrektiv längst verloren habe.

„‘Die Lange Nacht der Metamorphose‘ ist ein sehr gutes und sehr wichtiges, ein außergewöhnliches Buch. Jeder, der wirklich wissen möchte, in was für einer Zeit wir noch mal leben und wie man darüber sinnvoll nachdenken kann, sollte es lesen. Mehrmals. Klüger und klarer wurde über die Kompliziertheit der Lage im Jahr 2017ff bislang selten geschrieben.“ Jens-Christian Rabe, Süddeutsche Zeitung

Guillaume Paoli, 1959 in Frankreich geboren, lebt seit 27 Jahren in Berlin. Er war Hausphilosoph im Leipziger Theater und veranstaltete eine Diskussionsreihe im Roten Salon der Berliner Volksbühne.

Moderation und Gespräch: Johannes Ullmaier, Johannes-Gutenberg-Universität,  Mainz

Nell Zink – Nikotin

Dienstag, 15. Mai
Beginn: 21.00 Uhr

Dorett Bar, Zanggasse 36
Eintritt: 8,- Euro, 6,- Euro erm.

(c) Fred Filkorn

„Nikotin“ ist ein Roman über den Kampf zwischen Habenichtsen und Gierigen, zwischen Idealismus und Pragmatismus – ein Buch (nicht nur) über die USA, das kaum witziger, böser, klüger sein könnte.
Penny, soeben mit dem College fertig, jetzt arbeitslos und durch den Tod ihres Vaters neben der Spur, beschließt dessen verfallendes Elternhaus in Jersey City zu renovieren, um wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Doch Überraschung: Sie findet es besetzt von ein paar netten, ketterauchenden Anarchisten, die ihrer WG den Namen „Nikotin“ verpasst haben. Pennys erster Eindruck: „Als hätte man ungefragt einen Haufen Bettwanzen, die immerhin den Abwasch machen.“ Mit der Zeit jedoch geben ihr die Bewohner und andere Hausbesetzer aus der Nachbarschaft einen Sinn für Zugehörigkeit und Gemeinschaft, den Penny dringend braucht, und bald zieht sie nebenan ein und engagiert sich in den politischen Kämpfen der Besetzer …

„Nell Zinks Sätze und Geschichten sind so stark und überzeugend, dass man sich ihnen nicht entziehen kann.“ Jonathan Franzen

Nell Zink, 1964 in Kalifornien geboren, wuchs im ländlichen Virginia auf. Sie studierte am College of William and Mary Philosophie und wurde, später im Leben, in Medienwissenschaft an der Universität Tübingen promoviert. Sie lebt in Bad Belzig, südlich von Berlin.

Moderation und Gespräch: Philipp Theisohn, Universität Zürich

Volker Weidermann – Träumer – Als die Dichter die Macht übernahmen

Dienstag, 24. April
Beginn: 20.00 Uhr

Drusussaal, Zitadelle Mainz, Gebäude E
Am 87er Denkmal

Eintritt: 10,- / 7,- Euro (erm.)

(c) Elke Doerfel

November 1918 – Deutschland im Revolutionstaumel. Und in München passiert etwas ganz Außergewöhnliches – die Dichter übernehmen die Macht! Mitreißend und äußerst unterhaltsam erzählt Volker Weidermann die Geschichte der Münchner Räterepublik. Für einen kurzen Moment stehen Schriftsteller wie Ernst Toller, Gustav Landauer oder Erich Mühsam an der Spitze einer politischen Bewegung, die das Alte radikal umstürzen und etwas utopisch Neues schaffen will. Die Folge sind wilde, absurde und dramatische Monate, die schließlich im Mai 1919 blutig enden.

Weidermann lässt neben den Protagonisten schreibende Zeitzeugen wie Thomas Mann, Oskar Maria Graf, Victor Klemperer und auch einen gewissen Adolf Hitler zu Wort kommen. Ein außergewöhnliches Stück fast vergessener Zeitgeschichte, spannend und amüsant erzählt.

Volker Weidermann, geboren 1969 in Darmstadt, Studium der Politikwissenschaft und Germanistik in Heidelberg und Berlin. Autor beim „Spiegel“ und Leiter des „Literarischen Quartetts“ im ZDF.

Die Moderation der Lesung übernimmt Ariane Binder (SWR/3sat).

Robert Stadlober liest Das siebte Kreuz von Anna Seghers

Mittwoch, 18. April
Beginn: 20.00 Uhr

Capitol-Kino
Neubrunnenstraße 9
55116 Mainz

Eintritt: 14,- Euro, 12,- Euro (VVK) / erm. 9,- Euro, 8,- Euro (VVK)
Vorverkauf über das Capitol-Kino

(c) Stephan Pabst

Robert Stadlober liest Anna Seghers! Der bekannte Film- und Theaterschauspieler („Crazy“, „Verschwende deine Jugend“, „Krabat“) trägt die spannendsten Passagen aus Seghers‘ großem antifaschistischen Roman „Das siebte Kreuz“ vor. Der Kommunist Georg Heisler, Hauptfigur des Buches, schlägt sich nach seiner Flucht aus dem KZ Westhofen erschöpft und verwundet nach Mainz durch. Doch die Schergen des Lagerkommandanten Fahrenberg sind ihm bereits dicht auf den Fersen. In Frankfurt wartet auf Heisler seine Geliebte Leni. Wird er sie wiedersehen? Die Chancen stehen zunehmend schlechter – denn die sechs Mitgefangenen, die ebenfalls geflohen sind, werden nach und nach von den Nazis gefasst …

Robert Stadlober wuchs in der Steiermark und in Berlin auf. Bereits mit elf Jahren begann er als Synchronsprecher zu arbeiten. Seine erste größere Filmrolle hatte er 1999 in der Komödie „Sonnenallee“. Mit der Darstellung des spastisch gelähmten Schülers Benni in „Crazy“ erfolgte sein endgültiger Durchbruch. Für seine Leistung in dem Film erhielt er 2001 den Nachwuchspreis des Bayerischen Filmpreises. Seitdem hat Stadlober in zahlreichen Fernseh- und Kinofilmen mitgewirkt, auf diversen renommierten Theaterbühnen gespielt und mit seiner Band Gary drei Alben aufgenommen.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Reihe „Frankfurt liest ein Buch“ und mit Unterstützung des Kultursommers Rheinland-Pfalz