LiteraturBüro Mainz e.V. für Rheinland-Pfalz

Programm 2. Halbjahr 2009

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Thomas von Steinaecker "Geister"

Lesung
Thomas von Steinaecker "Geister"
Walpoden Akademie, Neubrunnenstraße 8
Freitag, 25. September
Beginn: 20.00 Uhr
Eintritt: 8,- / erm. 5,-

Thomas SteinaeckerJürgen fristet ein Leben in der Unschärfe, erfüllt mit vagen Zielen, diffusen Gefühlen und undurchschaubaren Beziehungen. Auslöser für diesen Zustand ist seine Schwester Ulrike, die eines Tages verschwindet. Ständig mit dem Schmerz der Eltern und dem Interesse der Medien konfrontiert, wird Ulrike zur Schimäre, die sein Dasein bestimmt.

Kontur gewinnt Jürgens Existenz erst, als er Post von der Zeichnerin Cordula Maas erhält, die in ihren Ute-Comics das Leben Schwester fortschreibt. Jürgen lässt sich in ein erotisches Doppelgängerspiel verstricken, das ihm die Kraft zu einer konstruktiven Lebenswende verleiht.

So wie Thomas von Steinaecker mit seiner Graphic Novel „Geister“ literarische Genregrenzen überschreitet, unterscheidet sich auch sein Vortrag von der üblichen Wasserglas-Lesung: Präsentiert wird "Geister" als multimediale Darbietung mit Lesesequenzen und Comic-Projektion.

Wilhelm von Sternburg "Joseph Roth"

Lesung
Wilhelm von Sternburg "Joseph Roth – Eine Biografie"
Dienstag, 13. Oktober
Beginn: 20.00 Uhr
Antiquariat am Ballplatz
Ballplatz 5b
Eintritt: 8,- / erm. 5,-

Wilhelm von SternburgEr war einer der herausragenden Journalisten und Romanciers der Weimarer Republik, Jude mit Neigung zum Katholizismus, Sozialist und Verehrer der Habsburgmonarchie. Joseph Roth, der vor siebzig Jahren als einsamer Trinker im Pariser Exil starb, lebte ein Leben voller Widersprüche und schuf dabei Meisterwerke wie „Radetzkymarsch“ oder „Hiob“.

Wilhelm von Sternburg zeichnet dieses Leben in „Joseph Roth – Eine Biografie“ faktenreich und fesselnd nach. Er erzählt von der Kindheit des Schriftstellers in Galizien, Roths Aufstieg zum erfolgreichen Autor der Weimarer Republik, dem publizistischen Kampf gegen die Nazis und den bitteren, letzten Jahren in der Emigration. Dabei verknüpft er Leben und Werk Roths auf kongeniale Weise mit dem zeitgeschichtlichen Hintergrund dieser Epoche. Von Sternburgs Lebensbeschreibung lädt ein, den österreichischen Schriftsteller neu oder wieder zu entdecken – Gelegenheit dazu bietet sich am 13. Oktober, wenn Wilhelm von Sternburg die Biografie auf Einladung des LiteraturBüro im Antiquariat am Ballplatz vorstellt.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Antiquariat am Ballplatz

Wolf Haas "Der Brenner und der liebe Gott"

Lesung
Dienstag, 20. Oktober
Beginn: 20.00
Frankfurter Hof
Augustinerstr. 55
Eintritt: 11,- VVK, 13,- AK

Wolf HaasDem österreichischen Autor Wolf Haas ist mit seinen Brenner-Romanen zweifellos was ganz rares gelungen: Er überführt den eher brav-tristen deutschsprachigen Krimi mittels stilistischer Artistik und ungehemmter Reflektionsfreude in die "richtige" Literatur und setzt sich mit seinen Werken sowohl in den Besten- als auch den Bestsellerlisten fest. (Gerade letzteres freilich flankiert von den nicht minder genialen Verfilmungen mit Josef Hader in der Hauptrolle.) Im neusten Fall, "Der Brenner und der liebe Gott", geht es für den Helden zunächst gemütlich zu, endlich hat er eine Festanstellung gefunden, die ihm behagt: als Privatchauffeur für ein Töchterchen aus bestem Hause. Aber natürlich ist Brenners Seelen- und Arbeitsfrieden nicht von Dauer, gleich sieben Mal werden bald die Totenglocken läuten …

Eines der Lesungshighlights des Jahres: Wolf Haas im Rahmen seiner seltenen Lesetouren in Mainz! Ungekürzt und in voller Länge!

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Unterhaus und dem Frankfurter Hof

Pieke Biermann "Der Asphalt unter Berlin – Kriminalreportagen aus der Metropole"

Lesung
Pieke Biermann
"Der Asphalt unter Berlin – Kriminalreportagen aus der Metropole"
Dienstag, 27. Oktober,
Beginn: 20.00 Uhr
Flaschenladen
Kurfürstenstr. 23,
Eintritt: 8,-/ erm. 5,-

Pieke BiermannWer kennt sie nicht, die Polizeikurzmeldungen in der Zeitung. Dass sich hinter den Dreizeilern in nüchternem Amtsdeutsch Schicksale verbergen, vergisst man beim Überfliegen der Nachrichten leicht. Pieke Biermann begibt sich in ihren Kriminalreportagen auf die Spurensuche nach den Menschen, die mit alltäglichen Kriminalfällen in Berührung gekommen sind. Zu Wort kommen Opfer und Angehörige sowie Kriminalbeamte, Feuerwehrleute und Psychologen.
Biermanns Reportagen beziehen dabei eine klare Position: Kriminalität reflektiert auch immer die Gesellschaft, in der sie entsteht. Der ökonomische Dampfdrucktopf befeuert durch soziale Kälte, verfehlte Integrationspolitik und die Angst „in’n Hartz jeschickt zu werden“ bildet das Fundament für Verbrechen im großen wie im kleinen Stil.

Pieke Biermann, geboren 1950, lebt als Schriftstellerin und Übersetzerin in Berlin. Ihre Kriminalromane wurden mehrfach mit dem „Deutschen Krimipreis“ ausgezeichnet. Zu ihren Veröffentlichungen gehören unter anderem: Vier, Fünf, Sechs (1997), Herta & Doris (2002), Gojisch gesehen: Feuilletons (2004).

Ruth Johanna Benrath "Rosa Gott, wir loben dich"

Lesung
Mittwoch, 28. Oktober
Beginn: 20.00 Uhr
Antiquariat am Ballplatz
Am Ballplatz 5b

Eintritt: 8,- / 5,- erm.

Ruth Johanna BenrathDie Achtziger Jahre in der Literatur: wild, urban, gefährlich – Anti-AKW, Hausbesetzung, Punk und RAF. Aber wie fühlte sich dieses Jahrzehnt in Mainz an? Zumal aus der Sicht einer Schülerin auf einem katholischen Mädchengymnasium? Genau davon erzählt der Roman "Rosa Gott, wir loben dich" der 1966 geborenen Autorin Ruth Johanna Benrath. Aber nicht nur das Zeit- und Lokalkolorit wird hier beschworen - auch die Suche einer jungen Frau nach Sinn und Zweck wird in diesem außergewöhnlichen Romandebüt eindrucksvoll geschildert.

Ruth Johanna Benrath hat im September 2009 einen der Martha-Saalfeld Förderpreise des Landes Rheinland-Pfalz verliehen bekommen.

Rheinhessen liest - Henriette Clara Herborn "Henris Welt"

Lesung
Donnerstag, 12. November
Beginn: 19.00 Uhr
Weinhaus Bluhm
Badergasse 1
Eintritt: 5,-

Henriette Clara HerbornSie schreibt Krimis, aber nicht nur. Henriette Clara Herborn, die aktuelle Trägerin des Literaturförderpreises der Landeshauptstadt Mainz, ist in vielen literarischen Gattungen und Genres zu Hause; sie weiß ihre Geschichten aber immer mit einer gehörigen Portion Spannung und genau der richtigen Dosis Humor anzureichern.
Ganz der Örtlichkeit, dem Weinhaus Bluhm, angemessen, wird sie dem Lokalkolorit als gebürtige Mainzerin gehörig Tribut zollen, aber auch Aktuelles aus ihrer Produktion zu Gehör bringen.

Natürlich wird auch andernorts die bewährte Symbiose Literatur und Wein zelebriert – mehr Infos hierzu in Bälde.

Eine Veranstaltung im Rahmen von Rheinhessen liest mit freundlicher Unterstützung des Kulturdezernats der Landeshauptstadt Mainz und des Weinhaus Bluhm

Rayk Wieland "Ich schlage vor, dass wir uns küssen"

Lesung
Samstag, 14. November
Beginn: 20.00 Uhr
Hafeneck
Frauenlobstr. 93
Eintritt: 8,- / 5,- erm.

Rayk WielandOb Sie es glauben oder nicht: Die DDR hat es wirklich gegeben! (ob nun mit oder ohne Anführungszeichen.) Und ob Sie es glauben oder nicht: Rayk Wieland ist mit seinem Roman "Ich schlage vor, dass wir uns küssen" das wahrscheinlich unterhaltsamste Buch zur Zwanzig-Jahre-Mauerfall-Thematik gelungen, die andernorts zwischen gewollt staatstragend, medial überstrapaziert und dumpf ostalgisch-nostalgisch die Agenda bestimmt. Eine fiktive Autorengruppe, eine deutsch-deutsche Liebschaft, die Gauck-Behörde und natürlich das MfS spielen in dem literarischen Debüt des visierten Journalisten Rayk Wieland tragende Rollen – welche historische Bedeutung hingegen der Mauerfall hatte bzw. ob dieser überhaupt so stattgefunden hat, bleibt bis zum schönen Ende hier offen.

Rayk Wieland, geboren 1965, lernte Elektriker, studierte Philosophie, Mitarbeiter der Titanic, war Zeitungs-, Funk- und Fernsehredakteur und lebt als Autor und TV-Journalist in einem kleinen bei Hamburg unweit des ehemaligen Grenzstreifens.

Eine Veranstaltung mit freundlicher Unterstützung des Hafenecks

Verleihung des Literaturförderpreises 2009 der Landeshauptstadt Mainz für junge Autorinnen und Autoren

Preisverleihung
Donnerstag, 26. November
Beginn: 20.00 Uhr
Rathaus Mainz
Ratssaal
Eintritt frei!

Jede Stimme zählt! Die Landeshaupstadt Mainz und das LiteraturBüro Mainz e.V. vergeben erneut den Literaturförderpreis für junge AutorInnen in Höhe von 2.600 Euro.

Die drei für die Endauswahl nominierten KandidatInnen präsentieren ihre Texte an diesem Abend in einer öffentlichen Lesung, danach wählt das anwesende Publikum seinen Favoriten.

Zusammen mit den Stimmen der dreiköpfigen Endjury – der Germanistin Dr. Sigrid Fahrer, dem Kulturjournalisten Michael Jacobs und dem Kulturdezernenten der Landeshauptstadt Mainz Peter Krawietz – entscheidet sich die diesjährige Vergabe des Förderpreises, wobei die Publikumsstimme bei einem Patt den Ausschlag gibt.

Kulturtelefon live – Vom Literaturtelefon zur Telefonliteratur

Rezitation
Mittwoch, 02. Dezember
Beginn: 20.00 Uhr
Walpodenakademie
Neubrunnenstr. 8
Eintritt: 5,- / erm. 3,-

Seit mittlerweile 29 Jahren stillt das Mainzer Kulturtelefon den kleinen literarischen Hunger zwischendurch: Unter 06131-693944 werden rund um die Uhr Lesehäppchen zum Ortstarif gereicht, von Lyrik zu Prosa, von Krimi zu Kinderbuch, von regionalen Berühmtheiten zu Klassikern der Weltliteratur. Das neue Programm startet am 1. Dezember und hält u.a. Kurzlesungen bereit.

Vorgestellt wird das neue Programm bei einem Abend mit Telefonliteratur. Das Telefon hat schon früh seinen Weg in die Literatur gefunden: Schriftstellergrößen wie Marcel Proust und Franz Kafka haben dem Fernsprechapparat in ihren Werken ein Denkmal gesetzt. Zwei Schauspieler des Staatstheaters Mainz werden diese und andere Telefontexte zu Gehör bringen. Schenken Sie uns ein Ohr wenn es mit Karl Valentin heißt "Hörst du mi denn aa, wenn i nix red?".

Martin Büsser "Der Junge von nebenan"

Multimediale Lesung
Samstag, 05. Dezember
Beginn: 20.00 Uhr
Walpodenakademie
Neubrunnenstr. 8
Eintritt: 8,- / 5,- erm.

Martin BüsserVorbei die Zeiten, als einem die korrekte Schreibweise des Wortes "Queer" noch als Fehler angestrichen wurde. Vorbei auch die Zeiten, als gerade die Besten einer Generation sich in das brandgefährliche Experiment des bewaffneten Kampfes stürzten, um die alte Ordnung finit aus den Angeln zu heben. Der in Mainz lebende Autor und Publizist Martin Büsser spielt in seiner Graphic Novel "Der Junge von nebenan" jedoch ausdrücklich nicht individuelle Nebenwidersprüche (Geschlechterfragen) gegen gesellschaftliche Hauptwiderspüche (die Revolution – bzw. ihr Scheitern) aus, sondern verschmilzt beides zu einem außergewöhnlichen Entwicklungsroman, bei dem sich Text und Zeichnung, Underground- und Mainstream-Diskurse auf das Schönste vermischen.

Angereichert mit Bild- und Toneinspielungen wird der Autor exklusiv sein im Verbrecher Verlag Berlin erschienenes Buch für die hiesige Büsser-Gemeinde präsentieren.

Peter Kurzeck "Oktober und wer wir selbst sind"

Lesung
Donnerstag, 18. Februar
Beginn: 20.00 Uhr
Antiquariat am Ballplatz,
Ballplatz 5b
Eintritt: 8,- / erm. 5,-

Peter Kurzeck"Oktober und wer wir selbst sind" ist ein weiterer Teil von Peter Kurzecks großer autobiografisch-poetischer Chronik seines Bemühens gegen das Verstreichen der Zeit anzuerzählen.
Angelangt im Jahr 1983, kreist der vierte Band um das Leben mit Kind in Frankfurt und den Versuch, sich ohne die Absicherung eines Brotberufs dem Schreiben zu widmen. Der Strom aus Erinnerungen, Gedanken, Reflexionen und minutiösen Alltagsbeobachtungen entwickelt durch seine rhythmische Sprache eine enorme Sogkraft.

"Wieder ein Jahr und kein Sommer gewesen. Und müd heim am Abend. Wie im Schlaf ein paar Jahre. Und dann einmal kommst du hierher. In Eile, in Gedanken woanders. In der dritten Person. In Gedanken, wo weiß ich auch nicht. Du kommst und mußt stehenbleiben. Die richtige Straßenecke. Warm ist es. Alles leuchtet. Ist also doch wieder Sommer geworden."

Peter Kurzeck ist 1943 in Böhmen geboren. Er wuchs in Staufenberg bei Gießen auf und wohnt heute in Frankfurt und Südfrankreich. Sein Werk wurde mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht u.a. dem Joseph-Breitbach-Preis. Zu seinen letzten Veröffentlichungen gehören "Oktober und wer wir selbst sind" (2007), "Ein Sommer, der bleibt. Peter Kurzeck erzählt das Dorf seiner Kindheit" (4 CDs 2007) und "Peter Kurzeck liest aus 'Kein Frühling'" 2007 (4 CDs 2007).

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