Gibt’s nicht! So glotzt nur einer. Quasi mit drei Ausrufezeichen. Gibt’s doch, sagte Pollox, watschte den Attmann ab mit Schulterschlag, daß dem die großen Wunderaugen zuklappten wie Briefschlitzdeckel. Thor rasselte wassersprühend aus den Nüstern. Es stob eine feuchte Wolke durch die Nacht und waberte im Kegel von Restels knapp ellenlanger Taschenlampe, mit der er bei sternklarer Sicht angeblich von Dohlbach aus bis rüber zu Buschbergs verschrammten Bienenkästen leuchten könnte. Nicht einen Augenblick konnte er den Lichtstrahl auf einer Stelle lassen, erst Thors riesige Augen, dann die unruhigen Hufe im Schlamm, dann unvermittelt Kilsch, wie er sagt: Mensch, Schulp! und mir über die Brennesseln hin eine kalte Bierflasche an die Brust drückt.
Neumondnacht. Attmann ist ganz entgeistert, wie aus Pollox Hosenbeinen - jeweils längsseits am breiten Brustkorb des Kaltbluts baumelnd - die Brühe tropft, während der Träger dieser Hosen - jetzt plötzlich gut ausgeleuchtet von Restels ausnahmsweise zielgenauer Lampe - über uns vorm schwarzen Himmel thront, gekrönt von seiner Kraft und seinen wirren Locken den Schlund aufmacht und es laufen läßt, daß der Bierschaum aus seinen Mundwinkeln blüht - als wäre ein Durst von Wochen zu löschen. Mit einem mal versagt die Birne. Kacke, sagt Restel und schüttelt die Lampe, wir hören die Batterien klackern im langen Lauf, dann liegt - da nach Restel auch die aufgeschreckten Hunde wieder schweigen - gespenstische Stille und endgültige Finsternis über den Hügeln.
Das war im Herbst, draußen beim Kilsch, der wie jedes Jahr um diese Zeit die Scheune für unser Erntedankfest fertig gemacht hatte. Ganz allein, Abende und Wo-chenenden lang. Der krumme Schuft mit Nägeln im Maul, Metermaß hinterm Ohr und dem Hammer im Sack. Tack, tack tack, schlägt Eisen auf Eisen. Jeder Hoch- und Tiefbauunternehmer würde blaß. Daß Ingenieur Pechtrauf den Kilsch gern bei sich angestellt hätte, obwohl er um die Müh und Not wußte, die er sich vor allem Montags mit ihm einhandelte - das war ja im ganzen Ort bekannt, und es sorgten Kilschs rotzfreche Ablehnungen ja für genauso viel Kopfschütteln wie Pechtraufs demütige, vielfach wiederholte Anträge. Die Scheune war jedenfalls bereitet. Ein Aufwand wie fürs Dorffest, aber Kilsch winkt jedem Lob entgegen ab - nich der Rede wert.
Gerade nach Mittag: Uns allen quoll der Bauch von pfundweise Zwetschgen. Man hätte sich die schwer zur Erde gebogenen Äste einfach durch die Zahnreihen ziehen mögen und hatte Attmann es nicht sogar versucht? Restel hatte schon früh gekotzt, als ihm die Würmer, die er da vor lauter Gier unversehens mitgefressen hatte, in den Sinn gekommen waren und nicht mehr verschwanden. Wer war schuld? Attmann - klar. Was hatte der wieder nicht lassen können zu bemerken - mit seinem Schandmaul und seiner Dummheit, da kommt ja zweierlei zusammen? Bloß nicht an die Würmer denken, mußte er brüllen, daß die Schafe von der Weide nebenan die schwarzen Köpfe in Habacht rückten. Da wars zu spät - Restel blies die Backen auf und klatschte Pollox den braunen Schmodder vor die Füße, während der auch schon - nach Jahren gemeinsamer Besäufnisse vorsichtig geworden - nach hinten in die Wiese fiel mit seinem festen Arsch und dabei eine Windhose Wespen vom gärigen Fallobst scheuchte. Ein Summen, fast so wild und abenteuerlich wie Attmanns 50er Mokick, mit dem er regelmäßig - sonntags morgens nämlich zum gemeinsamen Frühschoppen - hinter Kilschs Pritschenwagen herjagte, weil Kilsch zwar Restels Mokick, aber noch besser den Motor seines eigenen Wagens frisiert hatte.
Guck sich einer den Placken an, sagte Attmann in Restels Würgeschnaufen rein, wie meiner Oma sein Hefekuchen so rund. Attmann, halt die Fresse, dröhnte Pollox vom Boden und wischte sich am Gras das Fruchtfleisch von gespreizten Fingern. Dann kam’s - unvermeidlich wie Kilschs Fürze nach Bockbier: Will euch was erzählen.
Und Pollox begann eine seiner Geschichten, die über die Jahre wahr
geworden sind, weil sie das ganze Dorf in all ihrer Vielfältigkeit
weiter erzählt. Sie immer weiter um einander verflicht wie ein Netz,
in dem sich andere Netze verfangen, bis Knoten, die sich am Anfang einer
Erzählung nahe waren, von den Geschehnissen jedoch wie in Strömungen
auseinander gerissen wurden, wieder nahe beieinander zu liegen kommen. Was
nichts bedeutet - das Driften nicht und das zeitweilige Ankern nicht, denn
auch Pollox eigenes Fabulieren weiß ja zuweilen nicht mehr, wo seine
Quelle liegt, und so verändert er die Personen, Orte und zumeist immer
wunderlicher werdenden Gegenstände willkürlich, wie’s sonst
nur - aber das uns allen hin und wieder - im Traum passiert.
Und so nahm Pollox, unwirsch Pampe um seine Finger schmierend, daß
Sehnen und Muskeln sich wie Eichhörnchen unter den Schulterstreifen
seines Hemds räkelten, seine diesjährige Erzählung auf. Er
machte einen großen Schritt über Restels Magenauswurf und berichtete
uns, ausgehend von Blaulichtphänomenen, die - wie er betonte - keineswegs
mit dem Polizeistreifengesindel unserer Breiten zusammenhingen - immer wieder
von Thor, mäanderte dann allerdings auf unserem Weg zur Scheune um
eine Vielzahl abseitiger Ereignisse, von denen uns - Kilsch ausgenommen,
der für Frauen wie für Erinnerungen wenig einzunehmen war - vor
allem jenes erotische Spektakel beeindruckte, das den damals jugendlichen
Pollox angeblich auf Wochen wie blind an eine Hochseilartistin eines hier
im Tal Winterquartier nehmenden Wanderzirkus gefesselt hatte. 14. Dezember
83 bis dritten März 84, Attmann wußte es noch ganz genau - wir
waren schon in der Scheune angekommen, durch deren offenes Tor die Herbstsonne
fiel. Ein paar späte Mücken tanzten im Lichteck. So’en Dreck
behält er sich, murrte Kilsch über Attmanns Gedächtnis und
ging seinen Gastgeberpflichten nach. Hievte einen Kasten mit Halbliterflaschen
aus der Kühltruhe, die - wie frisch aus dem Bauknechtlager geklaut
und hier zum Verschieben geparkt - schneeweiß in der Scheune stand
und anhaltend schnurrte. Seit drei Tagen lief der Dieselgenerator hinter
der westlichen Bretterwand und kühlte vor. Mehr oder minder im Abstellen
des Bierkastens rammte Kilsch mit eckigem Hüftstoß den verdutzten
Restel vom riesigen selbstgeschweißten Grill, hieß Attmann -
da könne er nicht so viel dazwischen schwätzen - das Feuer anblasen
und brachte Restel untergehakt die zwei Schritte zur Sitzgarnitur zurück.
Während dessen schwamm Pollox weit ausholend und ruhigen Atems auf
der Strömung seiner Erzählung, die scheinbar ohne Absicht immer
dann, wenn wir meinten, dieses mal sei uns Rahmen und Faden des Berichtes
endgültig entronnen, wieder auf fahlblaues Blitzen und auf Siegberts
nicht umsonst, wie er hervorhob, so benannten Hengst Thor, das einzige Kaltblut
auf wenigstens hundert Kilometer im Umkreis, zurückkam.
Müßt Euch vorstellen, sagte Pollox - und lutschte an einem gefrorenen
Schluck Bier, den er durch den Flaschenhals gesogen hatte -, daß wir
hier in einigen wenigen Nächten durchaus Nordlichter zu sehen bekommen
können. Diese Lichter - so dröhnte es schon etwas lauter aus seinem
mächtigen Brustkorb, weil er - trotzdem er selbst gerade intensiv seine
Hosenaufschläge auf mögliche gallige Spritzer untersuchte - sehr
wohl bemerkt hatte, daß Kilsch bereits nach dieser Einleitung gähnte
... diese Lichter heißen auch Aurora Borealis und erschienen den Menschen
seit Jahrhunderten: oftmals beängstigend und lange unerklärbar.
Hier verlor sich Pollox erneut, nämlich in lange Ausführungen über Lichterscheinungen, Lichtdeutungen und zuletzt Lichtzeichen, beispielsweise die von Leuchttürmen, wobei er - wie er meinte - den längst untergegangenen alexandrinischen erwähnen müsse - sieben Weltwunder, antike Kultur, wir wüßten Bescheid. Attmann nickte ohne ein Wort zu verstehen, saß in der Hocke vorm Feuer, die Manchesterhose spannte über seinem Hintern und sein Pusten wirbelte Asche durch die Luft, so daß Pollox einen Augenblick irritiert stockte.
Diese Gelegenheit nutzte Kilsch - sowieso aufreizend unaufmerksam gegenüber des Lichtgedöns, wie er es provozierend nannte - um uns auf das vorbereitete Essen einzuschwören. Fressalien wie gewünscht, sagte er und zählte auf in einem Ton, als wären es die Flüche, die er sonst dem Pechtrauf hinterher schleuderte: Käseknacker, Pferdewürste zum Sieden, Schwenkbraten, Hühnerbeine und Bauchlappen (Speckschwarte so, machte er eine Klammerbemerkung und zeigte drei Zentimeter), dann Sauerkraut, vier Sorten Senf, Salat: Kartoffel, Nudel, Grün und Zwiebeln aus der Pfanne, Marmor- und Käsekuchen, drei Räder Partybrötchen, der Abend ist noch lang, eine Waschbütte Schockoladenpudding - zum Saufen alles obligat und bis zum Abwinken. Attmann: leg auf, was du grad greifen kannst.
Attmann stieß den Rost ins vorgesehene Gestänge, daß es schepperte, und spießte wahllos rotbraune Fleischlappen aus würzig duftenden Schüsseln. Am offenen Ende unseres Tisches brodelte es. Kilsch warf Würste in den Topf, der über zwei Platten auf dem Herd stand, welcher wiederum wie an der Leine brav am Starkstromkabel ruhte. Restel stellte fest, er könne wahrhaftig bald mal was in den Magen bekommen - Platz wär ja jetzt wieder reichlich, sagte er und streichelte die imposante Wölbung überm Gürtel, als sei sie schrecklich eingesunken. Der Restel und seine Pferdsnatur, kommentierte Attmann, dem Aschefetzen in den Brauen hingen. Pollox grinste, denn dieser Einwurf mußte uns zwangsläufig wieder zu seiner Erzählung steuern. Wie zuvor stieg er belehrend ein: Müßt wissen, Aurora Borealis - oder eine noch unbenannte Abart derselben hier bei uns - und Siegberts Thor, außerdem der Fluß - das hängt zusammen. Hängt eminent zusammen, präzisierte er, was Kilsch zum Schnauben, Attmann zum Blinzeln und Restel, der zwischen zwei Hemdknöpfen in seinem Bauchnabel pulte, zu nichts weiterem brachte.
Allerhand Irrwitziges berichtete Pollox im folgenden über Pferde im allgemeinen und Thor im besonderen, ohne im wilden Strudel seiner Rede noch einmal auf die doch eigentlich im Mittelpunkt stehenden Lichteffekte zu sprechen zu kommen. Dazu paßte, daß es draußen zunehmend dunkler wurde. Attmann schien inzwischen - eine bei ihm verkehrte Folge des Alkohols - ungewohnt verständig. Statt der Asche in den Brauen hingen ihm jetzt allerdings Krümel im Schnurrbart. Restel, der mit Kronkorken zu jonglieren versuchte, sie aber immerzu fallen ließ, glänzte rosig und gesund, als ob er im Leben noch nicht gekotzt hätte. Sogar Kilsch schien jetzt eigentlich recht umgänglich - sah man flüchtig über ihn weg wie er geschäftig unterwegs war, zwischendurch immer wieder kurz zum Sitzen kam und zufrieden über sein Werk so etwas wie schmunzelte.
In dieser Stimmung ließ Pollox es zu, daß wir uns allesamt in Götterwelten verloren und in dem, was wir meistens aus Kindheitstagen noch davon wußten oder zumindest zu wissen glaubten, bis Pollox uns jeweils verbesserte. Thor sei nämlich eben nicht das Pferd des Donnergottes, sondern dieser selbst gewesen. Und nicht der, sondern Odin sei geritten - auf einem Pferd namens Sleipnir, wenn wir’s genau wollten - und wiederum unrichtig: nicht Hammer, Speer, Rabe - übrigens derer zwei - und Feuer seien allesamt Thor zuzuordnen, sondern ausschließlich der Hammer, während das Feuer zu Loki, Speer und die weissagenden Raben zu Odin gehörten. Macht auch Sinn, sagte er, denn der war ja Chef. Und was macht Thor mit dem Hammer? Blitze, antwortete ausgerechnet Attmann. Genau. Und Pollox rückte endlich mit dem Clou seiner Geschichte raus, daß nämlich Siegberts Thor, dieser leibhaftige Hengst, in manchen Nächten und zu einer ganz bestimmten seichten Stelle im Fluß getrieben, die in der Atmosphäre liegende natürliche Elektrizität so an sich binden könne, daß er samt Reiter wie von einem blauen Licht umgeben sei und flimmere und - hier ballte er beschwörend die Faust - Blitze niedergehen lasse.
Bunsenbrenner, sagte Restel gedankenlos und sorgte für eine minimale Pause, da alle nach einem Zusammenhang suchten, aber dann ging es erst richtig hoch her in Kilschs Scheune, was bedeutet, daß wir vier uns die Köpfe heiß redeten, ob Pollox mit seiner Behauptung recht haben könnte oder ob wir gerade einem Märchen aufsäßen. Was Pollox selbst kalt ließ. Der war vor lauter Reden kaum so richtig zum Essen gekommen. Das holte er jetzt erst mal nach, störte sich gar nicht an unserem Streit und trug auch nichts weiter dazu bei, trank noch in aller Ruhe das ein oder andere Bier, bis Attmann alles zwischen uns Hin- und Hergeworfene in einem letzten, überzeugt vorgetragenen Satz bündelte, der damit zugleich unsere Erfahrungen der letzten Jahre auf den Punkt brachte: Nicht glauben hilft ja nix beim Pollox. Aber Kilsch spuckte darauf nur verächtlich einen siebener Nagel, den er zuvor sogar beim Schimpfen minutenlang bekaut hatte, mit solcher Wucht zu Boden, daß das Metall im festgetretenen Grund stecken blieb. Bleibt dabei, beharrte er, Quatsch is Quatsch.
Worauf wir alle Pollox ansahen, der mit dem Rücken zu uns am Herd stand, mit dem Arm im abgekühlten Wasser rührte, ein Würstchen heraus fischte, sich umdrehte und hinein biß, sorgfältig und mit offenen Lippen kaute, schluckte und dann endlich sagte: Also zu Siegbert.
Pollox' Erzählfluß war für dieses mal trotz zahlreicher Nebenarme kürzer geflossen als wir es gewohnt waren - dennoch johlten wir erlöst, als Pollox' Worte nun in die Wirklichkeit überführt werden und sich dort beweisen sollten. Das hatten wir nach all den Jahren der Besäufnisse in Kilschs Scheune noch nicht gehabt. Einige Momente herrschte Aufruhr, wir sprangen recht ziellos über die Sitzgarnitur, rissen Brötchen auf und legten Bauchlappen zwischen die Hälften, schmissen diesen Proviant mit reichlich Bier- und einer noch nicht angebrochenen Schnapsflasche - Kilschs berühmter 96er Schlehe, mit der er auf Märkten der Umgebung Rekordpreise unter zugereisten Architekten und Ärzten erzielte - in zwei Weltkriegsrucksäcke und standen schon im Tor - außer Restel, der noch mal zurück stolperte, um seine Taschenlampe zu holen ... als Pollox uns eröffnete, er werde jetzt allein zu Siegbert gehen und den Hengst holen. Mit der besoffenen Bande mache das keinen Sinn und zudem das Pferd scheu, was bei einem solchen Koloß kein Vergnügen sei. Er treffe uns am Fluß, direkt unterm Hochstand, neben dem Herta Klein letztes Jahr mit dem Mähdrescher umgekippt und die Uferböschung hinunter gefallen war. Leider mim Leben von gekommen, knurrte Attmann, eine unbeglichene Rechnung im Kopf, die man sich hüten sollte, anzusprechen. Restel kam, die Stablampe schüttelnd, gerade noch dazu, um Pollox aus dem Dunkel rufen zu hören: Achtet auf die Furt.
Im Licht beim Tor öffneten wir jeder ein Bier, ließen den Schlehenbrand die Runde machen und stapften daraufhin zum Fluß, schwätzten dort zuerst noch über die Möglichkeit von Pollox' Behauptung, tranken dann stiller, wiesen einander auf ein fernes gewittriges Grollen hin, hörten auch die Hunde, wie sie anschlugen im Dorf und sich wieder beruhigten. Restel illuminierte gelegentlich den Hochsitz, Attmanns nicht enden wollender Pinkelstrahl rauschte in die Brombeerhecke.
Danach rauschte nur noch der Fluß, der kaum zu erkennen war, wie er schwarz durchs Schwarz floß. Eine fahle Kuppe bildete der Straßenlaternenschimmer hinter den Hügeln. Restel schnarchte schon ein wenig, da schlugen eindeutig die Hufe eines schweren Tieres auf den weichen Boden des gegenüber liegenden Ufers, verhielten und klatschten schließlich in die Strömung. Blödkopp, zischte Kilsch und schlug Restel die kurz aufblitzende Taschenlampe aus der Hand. Es grollte wieder irgendwo weit über uns und dann sagte Attmann ruhig: Na seht ihr.
In der Mitte des Flusses schälte sich langsam eine Figur aus der Finsternis. Es war, als liefen Büschel aus blauen Flämmchen um die Konturen dessen, was sich da bewegte, bis sie - sehr schnell immer zahlreicher werdend - eine zittrige, von ätherischen Härchen wirbelnde, blaue Reitererscheinung formten. Ein mächtiger Mann saß da auf einem mächtigen Pferd, das unruhig das flach fließende Wasser trat und dessen Kopf wütend am Zügel riß. Wir staunen noch, da geht aus der trockenen Luft ein kaum gekrümmter Blitz nieder und versinkt hinter der nächsten Flußbiegung. Fast gleichzeitig reißt nicht weit von uns ein Donner schier den Himmel auf, daß mir der Atem stockt und einer - Attmann oder Restel, Kilsch kennt keinen Schrecken - luftlos aufschreit. Die Hunde kläffen panisch. Das Dorf ist dunkel.
Wenige deutliche Herzschläge später schnaubt Thor schon mitten unter uns, seine Augen glitzern wild im Licht von Restels Lampe. Pollox klatscht den begeisterten Attmann ab und wir sind alle stolz. Mensch, Schulp! sagt Kilsch, Restels Lichtstrahl saust verworren, und an Pollox' Mundwinkeln blüht der Bierschaum. Dann verabschiedet sich die Birne wie ein verängstigtes Glühwürmchen und wir bleiben sprachlos zurück in dieser gespenstischen Stille. Attmann, Restel, Kilsch, ich - und Pollox auf dem Pferd. Wir alle vierzehn Stunden und eine Geschichte älter, jeder im Augenblick der allerersten Stockfinsternis - bevor sich noch die Augen gewöhnt haben und erste Umrisse sich in tiefstem Schwarz vorm erblassenden Dunkel des Hintergrunds abzuheben beginnen - unbeweglich: schweigsam, voll und ganz für sich.