LiteraturBüro Mainz e.V. für Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfälzische Autor/innen vorgestellt

Timothy McNeal

Timothy McNealgeb. 1994 in Russland, Anglist, Schriftsteller (Lyrik, Prosa) ]Foto: privat].

Veröffentlichungen

Auszeichnungen

Textauszug aus "Die ChronosChronik"

"Zunächst einmal ... gar nichts ... Bradshaw ist unangreifbar, zumal er ja nicht allein ist ..." "Wie lange kann er das denn so treiben?", meldete sich Ellen erneut zu Wort.
"Tja ... sagen wir mal so ... er kennt das GelbBuch und die daraus resultierende BioSlomo ... unsere ParisGruppe berichtete von Mitgliedern im MethusalemAlter ... und die Bibel hat doch Recht, es waren keine MondJahre."
"Du meinst, Hunderte von Jahren?", fragte Ellen mit glänzenden Augen. Arnold nickte.
"Bei Bradshaws TimeTravel scheint es sich jedoch noch extremer auszuwirken, ähnlich wie bei der EinsteinRosenBrücke, je öfter man reist, desto weniger Zeit vergeht ... er altert etwa mit dem Faktor 100 langsamer als ich."

"Ich glaube, er hat irgendwo in dieser Region Versuche durchgeführt. New Mexico war quasi ausgebucht ... WhiteSands, Goddard ... da ist er, wie einige andere auch, nach Nevada gegangen ... Arizona/Utah war nur ein Zwischenstopp."
"Hast du mittlerweile eine Vorstellung davon, woran er möglicherweise gearbeitet hat?"
"Wenn ich seine WasserLuftWirbelTheorie einerseits und die TiplerRotation andererseits nehme ..."
"Aber er war schon tot, bevor Tipler ..."
"Bradshaw könnte das Bindeglied sein ... wie auch immer, es geht sicherlich nicht um Nautik sondern Aviatik ... Luftwirbel, Antriebssysteme für ..."
"UFOs?"
"Eben nicht unbekannte FlugObjekte sondern im Gegenteil sehr bekannte, Flying Saucers ... so schnell, dass man sie fast nicht sieht ... vielleicht hat er dabei sogar ..."
"Weiß man schon etwas über Bradshaws Fachgebiet?"

Ellen hatte zurückgeblickt; für sie hatte der Navajo an der Tankstelle genau so ausgesehen wie der am Parkplatz tags zuvor. Der Häuptling fixierte Arnold.
"You not older", sagte er. "Big magic."
"I’ve never been here before", stotterte Arnold fassungslos.
"I know you, you been here before, with man, not woman, follow me!"
Er führte sie zu einem Hogan, dem traditionellen NavajoRundbau aus einem Gabelpfostengerüst mit Erdbedeckung, bedeutete ihnen zu warten. Er kam mit einer vergilbten SchwarzWeißFotografie wieder. Drei Männer waren zu erkennen, der Häuptling, ein Jüngling und ... Arnold Chesterton-Bath ohne Schnurrbart, konnte man glauben.
"Not you, who then?"
Arnold drehte das Foto um. Eine fast verwischte Bleistiftwidmung war noch zu ...

Sie spazierten gemächlich weiter. Gelegentlich stand ein veraltetes Ackergerät am Wegrand oder ein ausrangierter Pferdewagen. "Hinter der nächsten Biegung", erklärte Arnold, der ab und zu in sein Prospekt gesehen hatte. Alle übrigen Gebäude auf der großen Lichtung waren nebensächlich und vernachlässigenswert im Vergleich zu dem Farmhaus, der Ranch mit den zwei Satteldachgiebeln, der Veranda und dem Anbau. "Ich weiß ja nicht, ob du als Mädchen damals ... aber jeder Junge, glaube ich, ist damit aufgewachsen."
"Natürlich", entgegnete Ellen überwältigt, "nicht nur einmal; ich glaube, ich habe die meisten Folgen mehrmals ... auf irgend einem Kanal lief doch immer ... das ist doch Teil unserer TVKultur." Vor ihnen lag die Ponderosa.

Die beiden stehen solange schweigend am Fluss, bis sie glauben, er stehe still und sie bewegten sich fort. Dann wirft der Junge ein Hölzchen ins Wasser, ergreift die Hand des Mannes. Als der sich zum Gehen wendet, hält ihn der Junge zurück.
"Kommt es wieder, Papa?" fragt er, den Tränen nahe, da er die Antwort ahnt. Der Vater sieht seinen Sohn an, den Fluss; er schluckt, schüttelt den Kopf. Ihre Hände lassen einander nicht mehr los ...