LiteraturBüro Mainz e.V. für Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfälzische Autor/innen vorgestellt

Monika Rinck

Geboren 1969 in Zweibrücken. Studium der Religionswissenschaft, Geschichte und Vergleichenden Literaturwissenschaft in Bochum, Berlin und Yale. Magister 1998 zum Thema UNIO MYSTICA. Einheitsformeln in volkssprachlichen Predigten Meister Eckharts und in dem Novellenpaar "Vereinigungen" von Robert Musil.

Buchveröffentlichungen

Veröffentlichungen in Zeitschriften etc.

Online-Projekte:

Sonstiges:

das phüh

für arsenij

da ist der innigste wind, der zu einer brücke sich krümmt
über die das phüh in begleitung von sylphen hinweggeht
so sanft ist noch nie ein molekül in bewegung geraten
so weich hat sich noch keine einzige welle gebreitet, gelüpft
und wieder gesenkt in ihr mikroskopisches tal, zusammen
getan hat sich die luft zu einem bogen mit anfang und ende
den man sehen könnte, wenn man ohne schwere wäre wie du.
so hat noch keiner die codierten welten der vögel verstanden
nicht ihre schreie, ihr tirili und das tschilpen nicht, auch nicht
das trockene rascheln der federn bei landung, wut oder rast
sondern das, was die antwort der luft auf die frage ihres fluges ist.
eine konsonantenschwebe, ein luftzug um ein ü gehegt, ein wirbel
eine spur, ein verstecktes phüh das zwischen ihren flügeln lebt.

tour de trance

my task, she said, was poisening time

wie sich alles drehte, wiederholte, dehnte,
und rotierte, die wärme war a space so vast,
so katastrophisch groß, war sie arena
worin die trümmer von objekten trieben,
wilde schläge in der ferne, keiner hörte,
jeder fühlte, die wellen der erschütterung.
wo etwas fehlte, wurde alles größer,
drehte sich, rotierte, kam in's schlingern
und blieb dann in der mitte liegen.
die müdigkeit war eine kur, das gewicht
der atmosphäre, halluzinogene leere
federte, es drehte sich jetzt weniger
als wären die schläge, in dem was sie sind
gegenstand der verdünnung, als würde
die zeit, der reißende raum, präzise und
zärtlich vergiftet, in ihrem gewebe stiege
die chemische schwäche, es schäumte,
erstickte, das weiße lager der krusten,
das sich formierte, wird reicher und toxisch
verrauschten die schläge, es dreht sich,
dreht sich unmerklich, und steht.

teich

sagt er: das leid ist ein teich.
sag ich: ja, das leid ist ein teich.
weil das leid von fischen durchschossen
in einer mulde liegt und faulig riecht.
sagt er: und die schuld ist ein teich.
sag ich: ja, die schuld auch teich.
weil die schuld in einer senke schwappt
und mir bei hochgerecktem arm bereits
zur aufgedehnten achselhöhle reicht.
sagt er: die lüge ist ein teich.
sag ich: ja die lüge ebenso teich.
weil man im sommer des nachts
am ufer der lüge picknicken kann
und immer dort etwas vergißt.