LiteraturBüro Mainz e.V. für Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfälzische Autor/innen vorgestellt

Anna Stein

Anna Stein

Gedichte

ich webe
die sprache
so dicht
dass man
gefangene
abseilen könnte
an ihr

die männer trojas
flohen
am haar
ihrer frauen

die blieben zurück
und kämmten
was nachwuchs

***

die laken sind weiß
      im haus meiner mutter
weiß ist dein samen
wo ich schlafe
ist niemand der früher aufsteht
      du schläfst bei regen
mein lager verlasse ich morgens allein
weiß ist mein lager

***

dass er doch
      sich nicht finden möge
      in diesem gedicht
dass er weiterschliefe
und zitternde traumlaute machte
die ich
      von seinen lippen nähme
mit den fingerspitzen
und zählte von seinen augen
      die ängste der nacht
er trägt auf den lidern
das zucken
      der schlafenden
dort ist er weit
und doch kann ich
an meiner seite
      das alphabet
      seines gesichts
buchstabieren

***

guten morgen
      guten
morgen
meiner
mein junge
den geliebten namen
hinter die schneidezähne
drücken
wie ein weiches bonbon
      mit der zunge
an den gaumen
      guten
morgen
guten morgen
mein kind
das kissen neben dir
plattdrücken
      dass dein gesicht
zu sehen ist
mein junge
      mein kind
      mensch
guten
guten morgen
      dass du da bist
da
      wer hätte
      das gedacht

***

ich kaufe dir brot
ich stehe auf
und gehe durch regen
      um dir brot zu kaufen
ich komme zurück
ich trockne mein haar bei dir
      ich habe dir brot gekauft
du brauchst viel schlaf
ich sorge dass deine nächte sicher sind
      ich kaufe dir brot

***

meine zeilen sind jung
      das gedicht
fordert
      mit jeder zeile
ein geprüftes stück
leben
neben der anrichte
      im flur
stehen
die ausgetretenen stiefel
      vom letzten winter
die tragen
die kälte
      meiner füße
von dreiundsiebzig tagen