Sigfrid
Gauch, Verena Mahlo, Eva Zang (Hrsg.)
In naher Ferne
Jahrbuch für Literatur 10
320 S., 19,90 €
ISBN 3-86099-501-4
"Zehn Bände mit rund 360 Texten von ca. 240 Autorinnen und Autoren auf mehr als 2.600 Seiten - das ist ein sehr beachtliches Kompendium der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Und so liest es sich auch: Bestandsaufnahme, Fundgrube, Provokation und Amüsement - und Dokumentation des literarischen Werdegangs mancher jungen Berühmtheit." KULTURMINISTER ZÖLLNER
Auch im Jahr 2003 - und dies bereits zum zehnten Mal - präsentiert das Jahrbuch für Literatur Prosatexte, Gedichte und Essays zeitgenössischer Autorinnen und Autoren. Nach alter Tradition publizieren die Gewinner des Georg-K.-Glaser-Preises und des Georg-K.-Glaser-Förderpreises ihre Texte im Jahrbuch, das ein Art "Exklusivrecht" für die Veröffentlichung hat. Im zehnten Band finden sich gleich zwei Georg-K.-Glaser-Literaturpreisträger: Der aus Speyer stammende Thomas Lehr, der Preisträger 2002 und sein Siegertext "Keine Zeit" sowie der diesjährige Preisträger 2003 Wolfgang Schömel mit "Die Reinheit des Augenblicks".
Neben den bekannten Verfasserinnen und Verfassern, deren Klang bereits in der bundesweiten Literaturszene zu hören ist und die teils einen eigens für das Jahrbuch angefertigten Text beigesteuert haben, kommt die Leserin und der Leser des zehnten Jahrbuchs für Literatur auch in den Genuss von ganz neuen Talenten, wie der 17jährigen Mainzerin Anna Stein. Sie hat dieses Jahr sehr erfolgreich beim Berliner "Treffen junger Autoren" teilgenommen.
In naher Ferne - der Titel des zehnten Jahrbuchs für Literatur ist nur scheinbar widersprüchlich und wird beim Lesen der Texte aufgelöst: Die Schauplätze der Ereignisse liegen zum Teil nicht weit entfernt. Die Berlingedichte des neuen Lyriktalents Steffen Brenner beispielsweise oder die eindrückliche Kurzgeschichte eines einfachen Lebens aus der Feder der Georg-K.-Glaser-Förderpreisträgerin 2002 Nadja Einzmann, die sich gleich in der Nachbarschaft abspielen könnte - eben zu nah um fern zu sein.
In Opposition zu diesen Texten stehen die Erzählungen der beiden Förderpreisträger für junge Künstler Rheinland-Pfalz 2003 Norman Ohler und Tobias Hülswitt: Die Beschreibung eines (nicht ganz ungefährlichen) Ausflugs nach Jericho "Ich war gestern der einzige Tourist in Jericho. Bericht aus einem besetzten Land" und Auszüge aus dem ägyptischen Tagebuch "El-Qahira-Cuts". Die Schauplätze dieser Handlungen liegen in einer fernen Wirklichkeit. Und auch dieser Kapitelüberschrift schwingt eine zweite Bedeutung mit: Neben den Texten, die in einer tatsächlichen Ferne angesiedelt sind, befinden sich Texte, die eine (hoffentlich bald eintretende) ferne Wirklichkeit, im Sinne einer noch kommenden Realität, beschreiben: Die Laudatio von Uri Avnery auf Sumaya Farhat-Naser und Gila Svirsky, beides Preisträgerinnen der Hermann-Kesten-Medaille, und deren Dankesreden. Sie geben Zeugnis einer langjährigen Freundschaft zwischen einer Israelin und einer Palästinenserin, die über ihre gemeinsame Arbeit als Friedensaktivistinnen hinausgeht.
Die Gruppe von Texten, die das zehnte Jahrbuch abschließen, spielen zwar häufig zu Beginn in unmittelbarer Nähe, verlassen dann aber den Raum des Wirklichen und beschreiben Situationen, die in das Unwahrscheinliche kippen und sogar die Wege des Geheimnisvollen einschlagen, wie die mysteriöse Geschichte "Der Wippdutt" von Maryvonne Myller und Clara Herborns Zeitreise im "Déja-vu".
Spätestens jetzt wird der Leserin und dem Leser des Jahrbuchs In naher Ferne klar, dass sich die beiden Begriffe Nähe und Ferne nicht ausschließen, sonders ergänzen: Nähe und Ferne entstehen zugleich im Auge des Betrachters....Pardon - wir meinen natürlich: des Lesers!
Texte von folgenden Autor/innen des Jahrbuchs 10 können Sie bei uns lesen: Uri Averny, Steffen Brenner, Nadja Einzmann, Sumaya Farhat-Naser, Clara Herborn, Tobias Hülswitt, Thomas Lehr, Maryvonne Myller, Norman Ohler, Wolfgang Schömel, Anna Stein, Gila Svirsky