Dana von Suffrin – Otto

Sonntag, 22. November
Drusussaal/Zitadelle (Am 87er Denkmal, 55131 Mainz)
Beginn: 20.00 Uhr

Eintritt: 7 Euro / 5 Euro (erm.)
Karten im VVK unter info@literaturbuero-rlp.de

Dana von Suffrin (c) Gerald von Foris

Für sein Umfeld war Otto, der pensionierte Ingenieur, schon immer eine Heimsuchung. Aber als er aus dem Krankenhaus zurückkehrt, ist alles noch schlimmer. Immer noch ist er aufbrausend, distanzlos, von wahnwitzigen Einfällen beseelt – aber jetzt ist er auch noch pflegebedürftig. Seinen erwachsenen Töchtern macht er unmissverständlich klar: Ich verlange, dass ihr für mich da seid. Für Timna und Babi beginnt ein Jahr voller Herausforderungen, aber auch der Begegnung mit der eigenen Familiengeschichte, die so schräg ist, dass Außenstehende nur den Kopf schütteln können. Mit viel schwarzem Humor erzählt Dana von Suffrin, wie Timna versucht, ihre dysfunktionale Familie zusammenzuhalten, ohne selbst vor die Hunde zu gehen. „Otto“ ist Hommage und zugleich eine Abrechnung mit einem Mann, in dessen jüdischer Biografie sämtliche Abgründe des 20. Jahrhunderts aufscheinen. 

„Ein fast zärtliches, seinem Anderssein stets zugewandtes, würdevolles Vaterbuch, das mit Witz unterhält, ohne an Tiefe einzubüßen, und heute seinesgleichen sucht“ (Deutschlandfunk).

Dana von Suffrin wurde 1985 in München geboren. Studium in München, Neapel und Jerusalem. 2017 Promotion mit einer Arbeit zur Rolle von Wissenschaft und Ideologie im frühen Zionismus. Ihr Romandebüt „Otto“ wurde u.a. mit dem Debütpreis des Buddenbrookhauses, dem Ernst-Hoferichter-Preis und dem Klaus-Michael Kühne-Preis ausgezeichnet. Sie lebt in München.

Charles Bukowski zum 100. Geburtstag

Mit Sigrid Fahrer, Franz Dobler, Benno Käsmayr, Alexander Pfeiffer und Alexander Wasner

Freitag, 27. November
Beginn: 20.00 Uhr
Capitol Kino, Neubrunnenstr. 9, 55116 Mainz
Eintritt: 10 Euro / 8 Euro VVK

Karten im VVK an der Kasse Capitol-Kino oder unter info@literaturbuero-rlp.de

(c) Marc Hegemann

„Mr. Chinaski”, sagte jetzt eine Dunkelhaarige am anderen Ende des Zimmers, „ich habe in Deutschland Übersetzungen von ihren Sachen gelesen. Sie sind sehr populär in Deutschland.“ „Freut mich zu hören“, sagte ich. „Hoffentlich schicken die mir auch mal Geld.“ (Aus: Bukowski, Charles: Das Liebesleben der Hyäne, München: dtv 1989)

In Bukowskis Werk finden sich immer wieder Hinweise dieser Art auf die Popularität, die er in Deutschland genießt. Damit schreibt Bukowski – 1920 in Andernach unter dem Namen Heinrich Karl Bukowski geboren – im Zitat seinem Alter Ego etwas zu, das zweifelsfrei auf ihn selbst zutraf: In keinem Land erfreute sich Bukowski einer so großen Beliebtheit wie in Deutschland. 

Anlässlich des 100. Geburtstags möchte das LiteraturBüro Mainz e.V. im Capitol-Kino eine Bestandsaufannahme der aktuellen Bukowski-Rezeption wagen – im Rahmen eines um Film und Rezitation erweiterten Podiumsgesprächs. Hierzu haben wir verpflichtet: Dr. Sigrid Fahrer, Literaturwissenschaftlerin mit Schwerpunkt US-amerikanische Undergroundliteratur; Franz Dobler, Schriftsteller und Publizist, Träger des Deutschen Krimi Preises 2015 und ausgewiesener Bukowski-Experte, und Benno Käsmayr, erster deutschsprachiger Verleger Bukowskis und Begleiter des Autors bis zu dessen Tod 1994. Die Moderation des Abends wird Alexander Wasner vom SWR übernehmen, dessen TV-Produktion „Der etwas andere Andernacher“ ebenfalls gezeigt werden wird. Zudem wird der Schriftsteller Alexander Pfeiffer einige Passagen aus Bukowskis Werk vortragen.

Eine Veranstaltung mit Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz

Christian Baron – Ein Mann seiner Klasse

Dienstag, 8. Dezember
Beginn: 20.00 Uhr
Capitol Kino, Neubrunnenstr. 9, 55116 Mainz
Eintritt: 10 Euro / 8 Euro VVK

Moderation: Arno Frank

Karten im VVK an der Kasse Capitol-Kino oder unter info@literaturbuero-rlp.de

Christian Baron (c) Hans Scherhaufer

Es sind die 1990er und es ist finster in Kaiserslautern. Jedenfalls in Christian Barons Bericht über seine Kindheit, die er in der pfälzischen Stadt im Schatten seines trinkenden Vaters verbringt. Der Vater ist Möbelpacker und ein stolzer Mann seiner Klasse – der Arbeiterklasse. Doch darunter verbirgt sich tiefe Scham und ein Hang zur Gewalt, den nicht nur seine depressive Frau, sondern auch die Söhne Christian und Benny erleben müssen. Doch da gibt es noch Tante Ella, die an das Potenzial von Christian glaubt, ihn mit in die Oper nimmt und ihn bei ersten Gehversuchen im Journalismus unterstützt. Doch mit dem gesellschaftlichen Aufstieg wird Christian zum Verräter – zum Verräter an seiner Klasse …

Mit großer erzählerischer Kraft zeigt Christian Baron Menschen in sozialer Schieflage und Perspektivlosigkeit. Ihre Lebensrealität findet in den Medien, der Politik und der Literatur kaum Gehör. „Ein Mann seiner Klasse“ erklärt nichts und offenbart doch vieles von dem, was in unserer Gesellschaft im Argen liegt. 

Christian Baron wurde 1985 in Kaiserslautern geboren. Er studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Germanistik in Trier. Nach Stationen bei der Lokalzeitung Die Rheinpfalz und Neues Deutschland sowie Veröffentlichungen bei nachtkritik, der Neuen Zürcher Zeitung und Theater der Zeit arbeitet er seit 2018 als Redakteur bei der Wochenzeitung der Freitag.

Olivia Wenzel – 1000 Serpentinen Angst

Mittwoch, 9. Dezember
Beginn: 20.00 Uhr
Capitol Kino, Neubrunnenstr. 9, 55116 Mainz

Eintritt: 10 Euro / 8 Euro VVK
Karten im VVK an der Kasse Capitol-Kino oder unter info@literaturbuero-rlp.de

Moderation: Veronika Kracher

Foto Olivia Wenzel
Olivia Wenzel (c) Julane Werner

Eine junge Frau besucht ein Theaterstück über die Wende und ist die einzige schwarze Zuschauerin im Publikum. Mit ihrem Freund sitzt sie an einem Badesee in Brandenburg und sieht vier Neonazis kommen. In New York erlebt sie den Wahlsieg Trumps in einem Hotelzimmer. Wütend und leidenschaftlich schaut sie auf unsere sich rasant verändernde Zeit und erzählt dabei auch die Geschichte ihrer Familie: von ihrer Mutter, die Punkerin in der DDR war und nie die Freiheit hatte, von der sie geträumt hat. Von ihrer Großmutter, deren linientreues Leben ihr Wohlstand und Sicherheit brachte. Und von ihrem Zwillingsbruder, der mit siebzehn ums Leben kam. 

Herzergreifend, vielstimmig und mit Humor schreibt Olivia Wenzel über Herkunft und Verlust, über Lebensfreude und Einsamkeit und über die Rollen, die einem von der Gesellschaft zugewiesen werden.

Olivia Wenzel, 1985 in Weimar geboren, Studium der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis in Hildesheim. Sie schreibt Theatertexte und Prosa, machte zuletzt Musik als Otis Foulie. Neben dem Schreiben arbeitet sie in Workshops mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In der freien Theaterszene kollaboriert sie als Performerin mit Kollektiven wie vorschlag:hammer. »1000 Serpentinen Angst« ist ihr erster Roman. Olivia Wenzel lebt in Berlin.

Leseprojekte Schreibprojekte

Der rheinland-pfälzische Jugendliteraturpreis „Die Goldene Leslie“ wird demnächst vergeben. Noch bis zum 15. September können Schülerinnen und Schüler ihre Stimme für eines der für die Shortlist nominierten Bücher abgeben. Für weitere Infos bitte hier entlang.

Fünf Schreibworkshops finden dieses im Rahmen unseres Projektes „Little Artur“ statt. Die Autor*innen Annegret Held, Ralf Kramp, Jens Schumacher, Antje Wagner und Manfred Theisen leiten die Schreibwerkstätten. Eine Auswahl der dabei entstehenden Texte wird Anfang 2021 als E-Book veröffentlicht. Wenn Sie heute schon Lust auf frische Literatur haben, können Sie hier das E-Book mit Texten aus 2019 herunterladen.